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Was sie wohl unter einem „erfüllten“ Leben verstanden hätten? Ihre Kultur war patriarchalisch geprägt. Nach ihren Träumen und Wünschen gefragt, hätten sie wohl als erstes Kinder genannt, möglichst viele Kinder. Vor allem Söhne. In ihrer Sippe gekannt und angesehen zu sein, wäre wichtig gewesen, und vielleicht einen Ehemann zu haben, der für seine Familie sorgen konnte und sie nicht allzu schlecht behandelte … Aber für die Frauen, um die es in diesem Artikel geht, kam alles ganz anders.   Da ist zum Beispiel Tamar; vielleicht nehmen Sie sich an dieser Stelle einmal einige Minuten Zeit, ihre nicht so recht kinderstundentaugliche Geschichte (in 1. Mose 38) nachzulesen. Tamar ist eine von ihrer Familie verratene und zutiefst gekränkte Frau, die ihr Recht auf nicht ganz ehrenwerte Weise schließlich selbst in die Hand nimmt. Oder nehmen wir Rahab (ihre Geschichte steht in Josua 2 und 6), die Prostituierte, deren Familie als Einzige die Zerstörung ihrer Stadt überlebt – weil Rahab zur Volksverräterin wird. Wenige Generationen später begegnen wir Ruth (im gleichnamigen Buch). Deren Geschichte kennen wir aus dem Kindergottesdienst schon besser, aber das Happy End sollte uns nicht dazu verleiten, ihr Leben insgesamt mit einer Art romantischem Zuckerguss zu überziehen: Ruth stammte aus dem Volk der Moabiter und hatte eigentlich bei den Israeliten nichts zu suchen (vgl. 5. Mose 23,4). Was hatte eine kinderlose, mittellose Witwe im Schlepptau einer verbitterten Schwiegermutter schon zu hoffen in einem Land, das nicht gerade für seine Fremdenfreundlichkeit bekannt war? Und schließlich ist da Batseba (2. Samuel 11 und 12), deren Name untrennbar mit König Davids großer Schuld verbunden ist und die unter der Strafe für diese Schuld selbst schwer zu leiden hat: ihr erstes Kind stirbt. Sie alle sind geprägt von harten Erfahrungen. Ihr Leben hatten Tamar, Rahab, Ruth und Batseba sich sicher anders erhofft – mit weniger Schmerz, Scheitern und Schmuddeligkeiten! Und doch reibt uns das Neue Testament gerade diese vier Frauengestalten bereits ganz vorn regelrecht unter die Nase: Matthäus beschreibt in seinem ersten Kapitel Jesus’ Abstammung. Meistens nicken wir über diese Passage mit ihren vielen Namen hinweg: Klar, Jesus wird in die Geschichte hineingeboren, richtig mit einem Stammbaum und allem, was dazugehört; er ist eben ganz Mensch. Aber etwas fällt dann doch auf: Eigentlich geht es hier um die männliche Erbfolge, und dass überhaupt einzelne der Mütter aufgeführt werden, ist schon ein Stilbruch. Spannender noch: Dass ausgerechnet „unsere“ vier Frauen mit ihrer unschönen Vergangenheit angeführt werden – und nur sie –, ist doch unerhört. Gab es denn keine ehrenwerteren, vorzeigbareren Stammmütter für Jesus? Und was soll das alles mit uns 2.000 Jahre später zu tun haben? Es stimmt: Tamar, Rahab, Ruth und Batseba lebten in kulturellen Kontexten, in die wir uns von unserer westlichen, technisierten Welt her kaum hineindenken oder gar -fühlen können. In materieller Hinsicht geht es uns unvergleichlich besser, und wir nehmen uns kaum als Teil einer Sippe oder Volksgruppe und viel stärker als Individuen wahr. Aber in manchen Punkten haben Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten doch sehr ähnliche Träume und Erwartungen – und sind dann enttäuscht, wenn alles anders kommt …   Der Traum von materieller Ausstattung Natürlich träumen wir von materiellen Dingen: es mag ein neues Auto sein oder eine größere Küche, ein angesagtes Smartphone, ein Urlaub auf Rügen oder vielleicht einfach nur der leckere, aber etwas teure Biolachs. Wir hoffen, dass wir einen gewissen Lebensstandard erreichen und diesen dann auch halten können, und wir erwarten, dass unsere Rente sicher ist. Dass nicht alle Träume in Erfüllung gehen, lernen wir schon als Kinder, aber wir hoffen und wünschen einfach immer weiter. Für Ruth brachen alle Erwartungen an eine gesicherte Existenz in sich zusammen, als sie ihren Mann verlor und ihre Heimat hinter sich ließ. Es gab keine Sozialversorgung und keine Garantie, dass sie zumindest überleben würde – im Gegenteil: Sie wurde selbst die Sozialversorgung für ihre Schwiegermutter. „Als ich von hier fortzog, hatte ich alles, was man sich nur wünschen kann. Jetzt lässt mich der Herr mit leeren Händen zurückkehren“ (Ruth 1, 21; HfA), beklagt Noomi ihren Verlust. Es wird ein innerer Kampf für Ruth gewesen sein, sich von der Hoffnungslosigkeit und öffentlich ausgelebten Bitterkeit ihre Schwiegermutter nicht anstecken zu lassen.   Traumhafte Beziehungen Wir alle brauchen Freunde, mit denen wir gemeinsam lachen und weinen können. Wir möchten lieben und geliebt werden. Und die meisten von uns suchen nach einem Gegenüber, diesem einen Menschen, für den wir das Wichtigste auf der Welt sind und mit dem zusammen wir alt werden können. Wenn es denn so einfach wäre! Für manche Singles wird die Suche nach einem Partner zum alles beherrschenden Thema – und wenn sie ihn dann gefunden haben, wird das Leben auch nicht zwangsläufig einfacher. Denn auch das haben alle Frauen aus Matthäus 1 gemeinsam: Beziehungsmäßig sind sie (zumindest zeitweise) gescheitert! Ruths Mann fällt dramatisch einer Seuche zum Opfer, Tamar schläft sich durch ihre halbe Schwiegerfamilie, Rahab prostituiert sich, und Batseba verliert ihren Mann gar durch einen Auftragsmord von Seiten ihres Geliebten. Matthäus 1 kann sich mühelos mit einer ganzen Staffel „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ messen!   Schwierige oder scheiternde Beziehungen mögen in unseren christlichen Kreisen bürgerlich-anständiger verlaufen und insgesamt mit weniger Gewalt auskommen als im Alten Testament, aber das Thema ist trotzdem ein Dauerbrenner. Nicht nur, weil ich jahrelang Studentinnen seelsorgerlich begleitet habe, vermute ich, dass in diesen Bereich die meisten zerplatzten Träume und enttäuschten Erwartungen fallen.   Und dann ist da noch etwas: nicht so sehr ein Wunsch oder Traum, sondern eine unausgesprochene Erwartung, dass wir einigermaßen heil durchs Leben kommen, gesund sind, und dass die Leute uns im Großen und Ganzen nett behandeln (weil wir ja schließlich auch nett zu ihnen sind!), dass unser Geschäftspartner nicht mit der Kasse durchbrennt, dass unsere beste Freundin nicht über uns tratscht und dass unsere Kinder uns nicht gegen unseren Willen in ein Altenheim stecken. Wir reagieren entsprechend verstört, wenn uns das Leben und die Menschen übel mitspielen.   Andrea Wegener, Jahrgang 1975, hat in Leipzig Germanistik, Amerikanistik und Geschichte studiert. Sie leitet die Öffentlichkeitsarbeit von Campus für Christus, Gießen.   Heil durchs Leben? Am meisten berührt mich an dieser Stelle Tamars Schicksal: Zuerst wird sie an einen schlechten Ehemann verheiratet, und dann werden auch ihr Schwager und Schwiegervater an ihr schuldig. Vielleicht hat Onan, Tamars zweiter Mann, sich am Stammtisch verplappert; wenn schon der Erzähler der Geschichte aus 1. Mose 38 wusste, was sich im Schlafzimmer dieses Paares abspielte, wird es auch die ganze Sippe gewusst und hinter vorgehaltener Hand kichernd weitergetuschelt haben. Man wird Tamar nicht gerade mit Achtung begegnet sein. Wie tief muss sie diese Demütigung empfunden haben – und die ganze Geschichte zog sich über Jahre! Tamar konnte ja nicht einfach wegziehen; sie lebte weiter bei der Familie, die ihr so viel Unrecht angetan hatte, und konnte ihre biologische Uhr vermutlich von Tag zu Tag lauter ticken hören.   Ein Leben nach guten Maßstäben Eine andere Erwartung oder ein Wunsch hat mit den Werten zu tun, nach denen wir hoffen, leben zu können: Wir haben ein positives Bild davon, wie wir gerne sein möchten, Maßstäbe von richtig und falsch, gut und böse, nach denen wir uns ausstrecken. Manche dieser inneren Schwüre sind vielleicht banal oder unsinnig, manche betreffen uns existentiell: Ich möchte nicht über meiner Arbeit die Kinder vernachlässigen wie mein Vater. Ich will spätestens ein halbes Jahr nach meiner Schwangerschaft mein vorheriges Gewicht wiederhaben. Ich würde immer um meine Ehe kämpfen und mich niemals scheiden lassen. Mein Christsein soll auch am Arbeitsplatz eine Rolle spielen. Meine Wohnung soll immer tipptopp sauber und aufgeräumt sein. Eine Abtreibung käme für mich nie in Frage. Wenn wir unsere Maßstäbe – wie sinnvoll, realistisch oder christlich sie auch sein mögen – nicht aufrecht erhalten können, macht uns das zu schaffen und wir fühlen uns schuldig. Es ist davon auszugehen, dass auch Batseba als kleines Mädchen nicht davon geträumt hat, als Ehebrecherin in die Weltliteratur einzugehen. Die Bibel weist ihr keine Schuld zu, und schließlich wird sie die Mutter eines großen Königs, aber selbst unser Matthäustext viele Jahrhunderte später scheint die alte Schmuddelgeschichte wieder aufzuwärmen: David zeugte Salomo „mit der Frau des Uria“, heißt es da (und dabei war sie zu der Zeit eigentlich genau genommen schon „die Witwe des Uria“). Ob sie wohl Schuldgefühle hatte, zum Stolperstein für diesen David geworden zu sein, der als König und als Dichter von Lobpreisliedern für unzählige Menschen ein Vorbild war?   Vergangenheit? Leider nein. In vieler Hinsicht war die Kultur dieser Frauen eine ganz andere als unsere – und doch kommen mir ihre Geschichten recht vertraut vor. All die Hoffnungen und Sehnsüchte, die dann in Enttäuschung oder Bitterkeit umschlagen, diese Knicke in der Biographie. Und dann frage ich mich, wie es den Tamars, Rahabs, Ruths oder Batsebas unserer Zeit ergeht, wenn sie in unseren Gemeinden aufschlagen: Stehen sie ein bisschen außerhalb, drücken sich an den Scheiben unserer frommen Welt sehnsüchtig die Nasen platt und seufzen leise, dass sie nicht so recht in diese Welt passen? Oder finden sie mit ihrer Erfahrung ihren Platz mittendrin in unserer christlichen Gemeinschaft?     FG_AUTHORS: ERF.de Topthema

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Wie aus einem tieffliegenden Flugzeug sah ich zunächst aus der Vogelperspektive ein unendlich weites Feld. Als ich näher kam erkannte ich, dass es aus lauter facettenartigen Räumen bestand, die in den buntesten Farben schimmerten. Die Räume waren nicht statisch, sondern wie pulsierende Zellen. Auf die Frage, was das sei, antwortete Gott: "Das sind die Räume in meinem Vaterherzen! Jeder Mensch hat hier einen Raum in meinem Innersten. Im nächsten Moment fand ich mich in einem dieser Räume wieder..."

Da sagte Gott: „Dies ist der Raum der Begegnung, dein Raum in meinem Vaterherzen. Du sollst wissen, dass Du einen festen Platz in meinem Herzen hast! Hier kommen nur Du und ich hinein! Und wir füllen den Raum mit dem Besonderen unserer Beziehung!" Wenn Ihr euch euren eigenen Raum der Begegnung anschauen könntet, würdet ihr sehen, dass die Wände voll mit Bildern sind; Bilder, in denen euch vertraute Situationen ablaufen. Wie eine Sammlung von Orten, an denen ihr schon einmal gewesen seid. Aber nur solche Orte, an denen ihr glücklich ward: perfekte Augenblicke eures Lebens!

Gott sagte dazu: „Glaube mir, mein Kind, es gibt keine perfekten Augenblicke ohne mich! Manchmal war Dir meine Gegenwart gar nicht bewusst. Oft warst Du mehr mit der Schönheit der Natur oder anderer Dinge beschäftigt, als an mich zu denken. Aber ich war dabei und habe diese Augenblicke mit Dir genossen. Und das macht sie zu vollkommenen Momenten Deines Lebens.“
Es würde Euch wahrscheinlich genauso gehen wie mir, dass Ihr euch gar nicht sattsehen könnt an all der Schönheit in diesem Raum. Der Raum war voller Bewegung und Dynamik, es gab keinen Stillstand, und doch strahlt alles Ruhe aus, kein Stress. Ich weiß nicht was Ihr sehen würdet, aber da wären bestimmt vertraute Klänge, Gerüche, Bilder voller positiver Assoziationen!

Und Gott sagt zu Euch: „Ja mein Kind, ich liebe deine Art, wie du lebst, mich liebst und anbetest. Das ist einzigartig. So, wie Du mich liebst mit all deinen Gaben und Talenten, kann mich kein anderer Mensch auf der Welt lieben!“ Ich empfinde bei diesen Worten eine solche Wertschöpfung und Achtung meiner Person, weil Gott alle Dinge in meinem Leben wichtig sind. Er wartet im Raum der Begegnung auf mich und will Gemeinschaft mit mir haben! Ist das nicht unglaublich? Der Schöpfer des Universums wartet auf mich und Dich?

Als nächstes sah ich das Vaterherz wieder aus der Vogelperspektive. Mir fiel auf, dass nicht alle Räume schillernd bunt und pulsierend waren, sondern geradezu blass und farblos. Gott sagte dazu: „Das sind die Räume, die nur selten betreten werden. Manche nur am Sonntag, andere nur an Weihnachten. Ich warte dort vergeblich auf meine Kinder.“

Und dann waren da Räume, die sich wie Nebel im Morgenlicht aufzulösen begannen. „Das sind die Räume“, sagte Gott, „die nie ein Mensch betreten hat. Ich habe dort alle Tage des Lebens auf meine Kinder gewartet, aber sie kamen nicht. Sie waren zu beschäftigt oder glaubten den Lügen über mich.“

Lasst uns nicht länger warten und zusehen, wie immer mehr Räume anfangen, sich aufzulösen! Vielleicht können die J-shirts für einen Menschen um Dich herum eine echte Chance sein, das erste Mal von unserem Vater im Himmel zu hören, der total verliebt auf ihn wartet...